
Vor Kurzem befand sich ein Freund von mir in intensiven Gehaltsverhandlungen. Eine Firma bot ihm eine recht passable Summe für seine Mitarbeit an. Er wartete ab, dann lehnte er ab. Einige Zeit später kam eine erneute Avance. Diesmal schlugen sie bereits 20 Prozent drauf und ein paar „Goodies“, wie etwa Firmenauto, Firmentelefon und Kaffeehäferl mit seinem Konterfei. Er wartete eine Zeitlang, wandte sich etwas hin und her, dann lehnte er ab und wartete ab. Schließlich machten sie ihm ein Angebot, das so dermaßen jenseits von Gut und Böse lag, dass einem bereits beim Hinhören der Kopf schwirrte. Was dazu führte, dass mein lieber Freund schließlich abwartete und dann…ablehnte.
Gleich darauf allerdings machte er ein Gegenangebot, das praktisch kaum über dem letzten lag, und lediglich dazu angetan war zu demonstrieren: Ich setze hier die Regeln fest. Dieses Angebot wurde sofort angenommen. Na Bumm!
Das ist wohl eine Lebenseinstellung: Niemals das erste Angebot annehmen, es kommt sicher noch was besseres. Handeln, was das Zeug hält, und dann … abwarten. Eine erfolgversprechende Strategie. Eine Strategie, die ich aber sowas von nicht beherrsche. Ich kann nicht nur nicht handeln, ich kann sogar absolut nicht handeln.
Ich glaube, das ist bei mir genetisch. Schon als ich sieben Jahre alt war, schaffte es mein vierzehnjähriger Bruder, mir sein altes Geografiebuch um 25 Schilling zu verkaufen. Fünfundzwanzig Schilling! Das war damals ein schamloser Haufen Geld! Und wissen Sie, was ich tat? Ja genau, ich lief zu meiner Mutter und bat um Vorschuss auf mein Taschengeld, damit ich das Buch, das mit Eselsohren und Saftflecken gesäumt war, erstehen konnte. Mein Bruder hatte es mir dermaßen schmackhaft gemacht, von den tollen Dingen erzählt, die es enthalten sollte, dass ich es unbedingt haben musste. Mein SCHAAAAAATZ!
Und noch heute, in manchen Urlaubsländern, wo das Handeln ja des Einheimischen Lust ist und daher nicht nur geduldet sondern erwünscht, ja sogar eingefordert wird, folgen mir regelmäßig argwöhnische Blicke, wenn ich einen Artikel exakt um den Preis kaufe, zu dem es mir angeboten wird. Manchmal fragt mich dann der Verkäufer im besten Touristendeutsch: „Du wollen zahlen weniger? Du kaufen auch schönes Vase! Wie viel du wollen zahlen?“ Zerknirscht lege ich dann meistens noch ein Deutchen drauf. Außerdem haben die Armen ja sicher Familie…
Oder beim Flohmarkt: Da zahlte ich garantiert immer brav die fünf Euro, die man von mir für eine alte Gießkanne verlangt. Umgekehrt hingegen, wenn ich der Feilbieter dort bin, antworte ich auf die forsche Frage „Wie viel?“ oft nur mit „Ähm, also, …hmm, drei Euro?“ Und blicke dann schamvoll zu Boden. Dann fragt mein Gegenüber meistens: „Geht das auch zu 50 Cent?“
Einmal, bei einem ausgedienten Büchlein, kam sogar die unverschämte Frage: „Geht das auch geschenkt?“ Natürlich ließ ich mich da nicht über den Tisch ziehen. Der Kunde musste zumindest einen alten Zierteller zum gleichen Angebot dazu nehmen. Wenn schon, denn schon!
Am schlimmsten sind da diese Lokal, wo man futtern kann, bis man platzt, und dann lediglich so viel zahlen muss, wie es einem wert war. Um Himmels Willen, woher soll ich das jetzt, mit vollem Bauch, noch wissen? Vorher hätte man mich frage sollen, je nach Hunger kann man da bei mir bis zu 100 Euro abgreifen.
Die Krux ist also immer: Was ist es einem wert? Und wie verheimlicht man, dass man etwas unbedingt haben will, wenn bereits der Geifer in den Mundwinkeln hockt?
Womöglich hätte ich nicht gleich beim ersten Heiratsantrag meines Mannes „Ja“ sagen sollen, sondern erst mal vielleicht sowas wie: „Na ja…“ und dann abwarten. Vielleicht wäre er mit seinem Angebot nach oben gegangen? Aber ich frage mich, wohin?
Seltsamerweise bin ich noch immer sehr glücklich mit ihm. Vielleicht ist das erste Angebot manchmal also doch das Beste?
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