
Das Jahr geht zu Ende, die guten Vorsätze vom letzten Jahr werden ungeöffnet zu Grabe getragen, für die neuen bereits selbiges geschaufelt. Alle wissen das und dennoch, bald geht wieder alles von vorne los. Dabei sind nicht die Vorsätze das Problem, es ist der Einstieg, der Beginn, der Anfang. Weil ja aller Anfang bekanntlich so schwer ist, Sie wissen schon. Aber ich bin draufgekommen, wie ich meinen eigenen Widerstand brechen kann, den Schweinehund überlisten und ihn mit subtiler Manipulation in seine Hütte verbannen kann.
Ich habe nämlich entdeckt, wo das Problem liegt. Warum ich die fünf Kilogramm noch immer nicht abgenommen habe, die Fenster in meiner Wohnung noch immer nicht geputzt, das Haushaltsbuch seit dem Jahre 2006 nicht mehr aktualisiert, der Brief an Tante Minna, dessen Kuvert ich noch in Schillingen frankiert hatte, noch nicht geschrieben wurde, ich noch immer keine Starköchin bin und warum ich noch immer nicht damit begonnen habe, alles sowieso besser zu machen.
Der ANFANG ist der Grund. Ja, wirklich! Super Figur haben. Juhu! Trainieren gehen. Pupu! Die Finanzen übersichtlich bei der Hand zu haben und tausende von Euros sparen? Juhu! Zu beginnen, täglich die Rechnungen zu sammeln und Notizen machen? Würg.
Also habe ich beschlossen, ganz nach dem Motto „Jeder Weg von tausend Meilen beginnt mit dem ersten Schritt“ den kleinstmöglichen Schritt, quasi ein Schrittlein oder ein Schrittleinchen zu machen. Und tatsächlich! Wenn ich nicht mehr vor der großen Herausforderung stehe, es jetzt endlich anzugehen, den richtigen ANFANG zu wagen, den unüberwindlichen riesigen Berg von Anfang zu tätigen, regt sich in mir kein Widerstand mehr. Dann benehm ich mich ganz cool. Ich mache gerade nur das bis knapp vor der Schmerzgrenze. Also Trainieren? Papperlapapp, das bedeutet ja, Trainigszeug einpacken, zwei Stunden Zeit reservieren, Ulli anrufen und danach karottenrot zum nächsten Date rennen. Nein, der kleinste Schritt bedeutet tatsächlich zehn Situps auf dem IKEA Teppich zu Hause, das war‘s. Der nächste kleinste Schritt ergibt sich morgen von selbst, und er wird ein anderer sein.
Alle Fenster putzen? Pah! Das Klofester mit 50×50 Zentimeter geht in Nullkommanix, und ich freu mich diebisch.
Den Steuerausgleich endlich machen? Für heute reicht es, meine Steuernummer herauszusuchen. Den Kleiderschrank endlich ausmisten? Zunächst trenne ich mich mal nur von meiner 36er Jeans aus dem Jahre Schnee, dann wird man weitersehen.
Nur beim Kochen ist mein Plan noch nicht so ganz ausgegoren. Mein Mann gibt sich mit dem gekauften Faschierten im Kühlschrank leider noch nicht zufrieden. Aber der wird staunen, wenn er im Sommer 2014 seinen ersten kompletten Braten vorgesetzt bekommt. Oder zumindest das Rezept…
Bookmarken & Teilen
„Vorsätze sind da, um gebrochen zu werden“, ist schon ein uralter Sager, der zwar formuliert, was gewöhnlich tatsächlich passiert, aber in keiner Weise hilft. Dein neuer Zugang zum Thema dagegen ist geradezu genial.
Das mit dem Schrittlein oder Schrittleinchen solltest Du Dir patentieren lassen. Nach diesem „Rezept“ das Leben zu managen, würde so manchem von uns nicht nur Freude statt Frust bescheren, sondern letzten Endes vielleicht sogar dazu führen, dass wir zuweilen nicht zu umgehende, hohe Berge, die sich plötzlich vor uns auftun, leichtfüßig und frohgemut wie Hügel bewältigen.