
Eine der charakteristischen Situationen, in denen dieses Bonmot der Einfalt, Katatonie des Schreckens verbreitend, Platz greift, ergibt sich, wenn ein physisch wie mental hochgradig deformiertes, männliches Wesen versucht, die Aufmerksamkeit einer anmutigen jungen Frau zu erhaschen. Der wirkliche sehr seltsame Vorspann zur Äußerung der Redewendung beinhaltet für gewöhnlich folgende Rituale:
Es ist eine Selbstverständlichkeit, dass die Frau diese plumpe Gestalt von selbst niemals wahrnehmen würde, weshalb der Protagonist beschließt, aus dem Vollen seines Repertoires an feinfühliger Gestik und Mimik zu schöpfen, wozu echte Knaller, wie erregtes Zuzwinkern, gehören. Freilich führt das zur Knüpfung manch zarter Bande des Kontakts, die einen unvermittelt an den gordischen Knoten denken lässt. Daraufhin wird die Frau, wie jeder nicht völlig gefühlskalter Mensch, aus Ekel zusammenzucken, was der Mann sogleich als Aufforderung versteht, sich ihr weiter zu nähern, um sein Glück und damit ihr Unglück zu versuchen.
Grundsätzlich wäre jetzt noch Zeit, zügig das Weite zu suchen, aber trotz allem Grauens verbleibt doch eine gewisse Konträrfaszination, welche die nicht zu beneidende Angebetete dazu zwingt, den herankommenden homo er(r)ectus kurz anzublicken. Für gewöhnlich wird sie dabei einem männlichen Frühmenschen, der mindestens 20 Jahre älter ist und ein zu enges, ausgewaschenes rotes Polo und ein zu lange Ärmel habendes, lose den Körper herabhängendes blaues Polyestersakko trägt, ansichtig, dessen Augen basedowverdächtig aus den Höhlen getreten sind und dessen schwülstige Lippen feucht glänzend die fauligen Zähnen umrahmen, welche ein strenges Odeur verströmen.
Ist der Mann schließlich weniger als zehn Schritte entfernt, weicht der ungläubige Blick auf dieses Naturphänomen eines wandelnden Kulturschocks einer unaussprechlichen Angst, die in Augen und Gesichtszügen, über jeden Zweifel erhaben deutlich wird. Da der Mann abgesehen vom Schweiß, auch von unerschütterlichem Selbstvertrauen durchtränkt ist, will er nicht ganz einsehen, warum die auserwählte Dame nicht zu Begeisterungsstürmen hingerissen, ein bezauberndes Lächeln aufsetzend ihre Kleider abstreift und sich ihm augenblicklich hingibt. Er greift daher verdattert aber beherzt ganz tief in die schwervermoderte Kiste der Aufreißsprüche und holt den verwesten Satztorso „Na geh, schöne Frau, schau doch nicht so ernst“ hervor. Der augenblicklich einsetzende Muskelkrampf unterdrückt den Fluchtreflex der Frau, weshalb sie, bis ins Mark erschüttert, stehen bleibt.
Sehr geübte Frauen sind mit so einer Situation bereits vertraut und bieten Beobachtern nun eine Show, bei der sie sich zurücklehnen und genießen können. An deren Ende wird unser Sympathieträger herausgefunden haben, wie weit Selbst- und Fremdbild manchmal auseinanderliegen. Sollten Sie jedoch das Entsetzen in den Augen der Frau erkennen, seien Sie ein Ritter, der ihr zu Hilfe eilt und so etwas wie „Schatz, stellst Du mir Deinen Bekannten vor?“ sagt.
Ohne Zweifel ist das die abartigste, aber bei weitem nicht die einzige Gelegenheit, bei der man der Redewendung begegnet. Grundsätzlich kommt sie praktisch überall dort zum Einsatz, wo derjenige, der sie begeht, sie, ohne den Hauch von Gespür zu besitzen, warum jemand eine ernste Miene hat oder ob er selbst dafür verantwortlich zeichnet, im möglichst unpassendsten Moment platziert. So wurde beispielsweise meiner Frau auf der Beerdigung eines für uns väterlichen Freundes von einem Anwesenden mitgeteilt, sie solle doch nicht so ernst schauen. Da ist man erst mal fassungslos und fragt sich, welchen Augenblick der Betreffende für passender halten würde.
Ganz gleich, wie es sich auch ergeben mag, diese Art der Aufforderung zum zwanghaften fröhlich Sein (in Kreisen der volksdümmlichen Musik Usus), ist eigentlich nur mit der charakteristischen Frage des Jokers im Film „The Dark Knight“ vergleichbar. Während dieser dem arglosen Opfer nämlich das Messer an die Kehle hält, flüstert er: „Warum denn so ernst?“
Bookmarken & Teilen