
Auch Katzen brauchen einen Ghostwriter. Für das Magazin all4pets (www.all4pets.at) bringt Schreibselbraut die Gedanken ihrer Katze Felice regelmäßig aufs Papier. Die folgenden Katzenüberlegungen sind in der Ausgabe 3/2012 erschienen.
Die Menschen sind ein lustiges Volk. Sobald es Sommer wird, ereignet sich meiner Beobachtung nach folgendes: Die menschlichen Weibchen kramen aus ihren Kästen just die knappsten Bedeckungen hervor, die sie finden können, stecken ihre wie auch immer gearteten zarten oder zottigen Hinterpfötchen hinein, bewegen sich äußerst seltsam vor dem Spiegel, quetschen hier, kneifen dort, erbleichen dann, flüchten in Bequemeres und drängen nach draußen, mit dem Rucksack umgeschnallt, zu einem Ort namens Fitnessstudio.
Es ist nicht so, dass ich das Prozedere nicht verstehe. Mir ist sehr wohl klar, worauf das alles abzielt. Menschliche Weibchen leiden an Dauerrolligkeit. (Für Nicht-Felidaeisten: Das intensive Sehnen nach einem Paarungsgenossen.)
Zugegeben, auch ich bin vor einigen Jahren schwach geworden und gab dem Hormondrängen nach. Einige Tage der Verklärung… Er hieß, ich weiß nicht wie, kam, ich weiß nicht woher und ging, ich erfuhr nie, wohin. Er war rothaarig und tauchte pünktlich zur Begattung auf. Er warb herzzerreißend um mich, das muss man zugeben, aber wie soll ich sagen, nach einigen Tagen hatten wir uns auseinander gelebt. Was blieb waren vier Kinder, die ich zwei Monate später unter tiefster Narkose mit Kaiserschnitt zur Welt brachte. Reden wir nicht darüber. Verhütung war kein Thema, auch wir Katzen haben unseren Papst, die Natur! Doch jetzt bin ich zufrieden. Was scheren mich die Männchen, so gut sie auch riechen. Mit einer gewissen Gelassenheit beobachte ich das Jammern und Stöhnen meiner Schwestern draußen. Sie tun mir leid, sie sind von Sinnen, wie auch ich dereinst. Ich möchte fast sagen, die Erinnerung daran ist etwas verschwommen. Er ist jämmerlich, dieser Zustand. Und wenn ich jetzt bedenke, dass dieser bei Menschen das ganze Jahr über anhält, oder noch länger, wer weiß das schon, und im Sommer seinen Höchststand erreicht, schaudert es mich. Auch sie tun mir leid, aber sie wollen es nicht anders.
Doch ich komme vom Thema ab, der Sommer! Wissen sie, was dieser für uns Katzen bedeutet? Ja genau, Sommer, der reine wahre ungetrübte Sommer! Nichts liegt näher, als sich ans äußerste Zipfelchen der Sonnenlinie zu platzieren und solange zu verweilen, bzw. mit dem Strahl mitzuwandern, bis entweder der Winkel zu knapp ist oder der Boden zu Ende. Sonne bedeutet Genuss und nicht Hormonverdruss. Wir Katzen definieren uns weder durch unsere Silhouette, noch unser spezifisches Gesamtgewicht. Nehmen sie z.B. mich. Ich bin, nach menschlichem Vokabular, nicht eben von zarter Statur, ich habe kurze Beine, das liegt an meiner Rasse. Und doch kann ich nur sagen, ich ruhe in mir, ich hab mich bereits gefunden. Wenn ich in der Nachmittagssonne am Balkon verweile, bin ich ganz im Hier und jetzt. So liest es zumindest meine menschliche, etwas seltsame Mitbewohnerin in ihren Büchern.
Die Sonne dient uns Katzen dazu, unsere Sitz-, Liege- und Spielpositionen nach draußen zu verlegen. Unser Fitnesstraining besteht darin, von der Rückenlage, je nach Sonneneinfall, nach rechts oder nach links zu rollen. Spiegel sind für uns nichts weiter als schmutziges Glas, kein Egothermometer. Wir können alles! Wenn wir wollen! Und dieses Wissen alleine genügt uns. Es drängt uns nichts und niemand, nicht mal wir selbst. Wir begrüßen den Sommer mit offenen Pfoten!
Das und ähnliches versuche ich meiner Mitbewohnerin zur moralischen und tröstlichen Unterstützung mitzuteilen, doch irgendwie deutet sie meine schnurrenden Kommentare falsch, streichelt mir nur über den Rücken und meint, „Na mein Moppel, du kennst solche Probleme nicht, oder?“ Was soll man da noch machen? Jeder ist seines Glückes Schmied, sagt man bei Ihnen, oder? Ich gehe dann meiner Wege und denke mir, auch ihre Rolligkeit wird einmal ein Ende nehmen, in fünfzig, sechzig Jahren…
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Liebe Felice!
Ich darf mich kurz vorstellen:
Mein Name ist Schnurrli. Ein nahezu lächerlicher Name für ein derart ästhetisches Wesen! Nicht, dass du meinst (Dürfen wir uns eigentlich duzen – so unter Kater und Katze?) ich gehöre zu der überheblichen Art, aber ein bisschen mehr Feinsinnigkeit könnte unsere Gefolgschaft doch zu Tage legen. Aber gut, seien wir nicht zu streng. Die Menschen sind halt, wie du es bereits richtig in Worte gefasst hast, ein lustiges Volk.
Wo war ich? Ach ja – die Vorstellungsrunde. Im lokalen Bereich entwickelte ich mich über die letzten Jahre zu einem wahren Kosmopoliten. Ständig unterwegs um Land und Leute zu beobachten, finde ich zwischendurch gerade noch Zeit für das uns wohl liebste Wellnessprogramm. Ja, und schon wieder muss ich dir recht geben! Dem genießen der wärmenden Sonnenstrahlen. Oh wie liebe ich Tage wie diese. Spätsommerlich milde Tage. Ein lauer Wind streift durchs Fell und kann einen so richtig zum Schnurren bringen. Und übrigens, ich bin nicht rothaarig! Zwar so kräftig gebaut wie ein berühmter Vetter aus Übersee, jedoch nicht ganz so untergroß.
Nun habe auch ich bereits die eine oder andere Macke an den Menschen beobachten können. Wenn man mit einem Menschen in einer WG lebt, dann bleibt dies zwangsläufig nicht aus. Grundsätzlich spaziere ich meistens über die Terrasse in die Wohnung. Ich finde, dies ist einfach die elegantere Art um zu gucken ob wohl alles rechtens ist. Außerdem kann ich somit meinem WG Kumpel gleich lautstark verkünden, dass ich im Haus bin. Dies wiederum verschafft ihm den kleinen zeitlichen Vorteil meine Wartezeit auf Futter zu verkürzen. Das ist unser Deal. Er darf mich versorgen, dafür sorge ich für Recht und Ordnung. Die genaue Vorstellung dieses Begriffes haben wir jedoch noch nicht ausdiskutiert. Ich bevorzuge es ja den einen oder anderen Teppich überzudrehen und meine Hilfsmittel zum Koordinationstraining frei im Raum liegen zu lassen. Beides mit einem aufrichtig gut durchdachten Plan. Das Überdrehen des Teppichs dient der Kontrolle der Sauberkeit (denn nicht jeder saugt auch unter dem Teppich), und die freie Lagerung meiner Trainingsutensilien dient dem raschen Zugang. So einfach ist das. Aber für Menschen wirklich nicht leicht verständlich. Denn kaum verlasse ich nach getaner Arbeit alles so wie es ist, schon wird hinter mir hergeräumt. Verrückt, oder?
Und dann diese Hochheb-Knuddel-Macke! Nur weil wir unsere Augen gekonnt vergrößern können, dass dadurch selbst Erz schmelzen würde, bedeutet dies doch noch lange nicht, dass wir uns sofort als Knuddelaccessoire zur Verfügung stellen! Nö, so läuft das nicht! Aber versuche dies einmal zu erklären. Kaum sind die vordersten Enden deiner scharfen Krallen nur ein klein wenig zu sehen, und somit deine Diskussionsbereitschaft ein bisschen zu spüren, siehst du den erhobenen Zeigefinger. Ach Mensch! Wenn wir knuddeln wollen, dann kommen wir ohnehin freiwillig und schnurren dich zu! Dies meist zu Zeiten wo du a b s o l u t nicht damit rechnest. Raffiniert, gell?!
Tja, schon ruft wieder die Pflicht. Muss meinen nachmittäglichen Kontrollgang starten, und dann noch ein paar Sonnenstrahlen einfangen.
Es grüßt mit einem herzlichen Miauz
Schnurrli